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Individuelle Erziehungsvereinbarungen - demokratischer Umgang mit Unterrichtsstörungen

Inhaltsverzeichnis

1. Kontext, Begründungen, Ziele bei der Entwicklung

Die Realschule am Oberen Schloss (im folgenden abgekürzt ROS) bemüht sich schon seit jeher, Demokratie und Integration an ihrer Schule zu verbessern. So gibt es seit längerem Projekte wie Sozialtraining für Eingangsklassen, Förderunterricht für Aussiedler, Mediation/Streitschlichtung u.a.

1.1 Mehr Unterrichtsstörungen - unzureichende Instrumente

Die Zahl der Unterrichtsstörungen hat an der Siegener Realschule in den letzten Jahren zugenommen. Die zur Verfügung stehenden Instrumentarien und Möglichkeiten des Schulgesetzes haben die Lehrerinnen und Lehrer als unbefriedigend, ineffektiv und wenig demokratisch erlebt. Die Schülerinnen und Schüler nahmen sie als bedrohliches Strafgericht und die Eltern als überaus unangenehme Angelegenheit war.
Die Belastung der Lehrerinnen und Lehrer stieg an, die Solidarität zwischen Schülerschaft und Lehrern und innerhalb der Lehrerschaft war verbessungsbedürftig.
Als Schule mit Aufbauzweig hat die Realschule am Oberen Schloss einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund. Von den mehr als 500 Schülern stammen über die Hälfte aus Aussiedler- oder Ausländerfamilien.
Zunehmend stellen die Lehrerinnen und Lehrer fest, dass viele Kinder, in erster Linie aus der Gruppe der Aussiedler, gegen ihren Willen nach Deutschland gekommen sind. Vor allem die Integrationsbereitschaft der Jungen scheint nachgelassen zu haben. Außerdem stößt das deutsche Schul- und Gesellschaftssystem und seine demokratische Orientierung bei ihnen auf Unverständnis, weil es sich grundsätzlich von den Erfahrungen in ihren Herkunftsländern unterscheidet.
Es hat sich gezeigt, dass die Integrationsproblematik allein über eine sprachliche Förderung nicht zu bewältigen ist. Deshalb suchte die Schule nach einem neuen Weg, ihre Schülerinnen und Schüler zu sozialen, engagierten Bürgern zu erziehen - Integration durch Beteiligung.

1.2 Suche nach einem demokratischen Modell gegen Unterrichtsstörungen

Die Wunschvorstellung: Alle übernehmen Verantwortung für die Schule.

Die Wunschvorstellung: Alle übernehmen Verantwortung für die Schule.

Bis zu ihrer Teilnahme am Modellversuch suchten die Lehrerinnen und Lehrer vergeblich nach Standards, wie mit Unterrichtsstörungen umzugehen ist. Die Schülerinnen und Schüler wiederum nahmen Lehrerreaktionen auf Störungen als willkürlich, nicht einheitlich oder unangemessen wahr, da sie von Lehrer zu Lehrer sehr unterschiedlich ausfielen.
Aufgrund der wahrgenommenen Probleme verfolgte die Realschule am Oberen Schloss im Rahmen des "Demokratie lernen & leben"-Programms zwei Hauptziele:

  • die Entwicklung einer demokratischen Vereinbarungskultur auf verschiedensten schulischen Ebenen: Vom Klassenrat als Keimzelle der Demokratie unter Schülerinnen und Schülern, über individuelle Erziehungsvereinbarungen mit einzelnen, auffälligen Schülerinnen und Schülern bis hin zur umfassenden, für die Jugendlichen, ihre Eltern und Lehrerinnen und Lehrern geltenden Schulvereinbarung. Dadurch sollten die Solidarität zwischen Lehrern, Schülern und Eltern verbessert und allgemeine demokratische Grundwerte vermittelt werden. Ausländische und migrierte Schülerinnen und Schüler erleben so ein demokratisches Wertesystem, bei gleichzeitiger positiver Wertschätzung von Einwanderung und Vielfalt. 
  • die Reduzierung der Unterrichtsstörungen: Durch neue Lösungsstrategien sollten auch alte Rollenverständnisse überdacht und geändert werden. Den Lehrerinnen und Lehren sollte dabei eine neue Schlüsselrolle zukommen, die bei Fortbildungen erlernt werden sollte: als Partner und Begleiter des Schülers.

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