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Lehren, lernen und evaluieren mit Portfolios (Akademisches Gymnasium Innsbruck)

Inhaltsverzeichnis

2. Voraussetzungen für die Einführung bzw. Durchführung

  • 1996 gab es durch die Verfasserin des Schulentwicklungsbausteins erste "Gehversuche" mit Portfolios. Die ersten Portfoliomodelle reflektierten Schreibprozesse der Lernenden, blieben also in Einsatz und Auswirkungen noch recht begrenzt. Die Schüler ersparten sich eine mündliche Prüfung, die Leistungen nur punktuell hätten erfassen können, während die Portfolioarbeit sich auf Leistungen über einen längeren Zeitraum bezieht.
  • Die Modelle, die während des Postgraduate Studiums der Initiatorin am AGI entwickelt und modifiziert wurden, haben ihren Ursprung in der Portfolioarbeit in den USA. Insbesondere Gerd Bräuer mit seinen Veröffentlichungen (1998; 2000) hat eine Brücke zwischen der amerikanischen und der europäischen Tradition geschlagen ( Literatur).

Zum Lernbegriff

  • Da Portfolios meist in der Schreibarbeit in Sprachfächern als Fachportfolios verwendet werden, war es bei der Entwicklung der fächerverbindenden Netzfolios nötig einen allgemeineren, breiteren Rahmen zu finden, der die unterschiedlichen Zugänge zu Inhalten und Themen von geistes- und naturwissenschaftlichen Fächern verbinden half.
  • Einen solchen Rahmen für unsere schulische Arbeit fanden wir im fünfdimensionalen Lernbegriff (Wissensdimension, Erkenntnisdimension, Anwendungsdimension, persönliche Dimension und soziale Dimension) nach Schratz/Weiser ( Literatur). Hiermit wurde es möglich die Ziele, Themen und Inhalte in den NW-Klassen zu vermitteln und sie von den Lernenden reflektieren und dokumentieren zu lassen.
  • Schratz/Weiser lehnen sich in ihrem Artikel zur Entwicklung von Unterrichtsqualität an die Taxonomie von Bloom u.a. (1956) an und stellen diese mit den dort zitierten personen- und gruppenzentrierten Modellen u.a. von Ruth Cohn (1975) und Carl Rogers (1974) in Zusammenhang. 
  • Zudem entspricht dieser erweiterte Lernbegriff sowohl den Prinzipien unseres  Leitbilds (vom Mai 2001) als auch den Forderungen der neuen Lehrpläne für die Sekundarstufe 1 in Österreich, die seit dem Schuljahr 2000 in Kraft sind.

Vorbereitung, Einführung und sukzessive Ausweitung der Portfolioarbeit am AGI

  • 1999/ 2000 sondierte die Initiatorin beim Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur die Bewilligungsbereitschaft und stellte ein Ansuchen um einen ersten Schulversuch. Dieser sollte die Reduktion von Klassenarbeiten bei gleichzeitiger Einführung von Fachportfolios in Englisch (Schulstufe 10) am Schulzweig der gymnasialen Klassen erlauben.
  • Nachdem die Bewilligungsbereitschaft signalisiert worden war, informierte die Initiatorin die Schulleitung, die Schulaufsichtsbehörde (Landesschulrat), die Lernenden, die Kollegen und die Eltern von dem Vorhaben des Portfolio- Schulversuchs in der betreffenden Klasse. Die geforderte Zwei-Drittel-Mehrheit der Lehrer, Eltern und Schüler konnte auch erreicht werden.
  • Für die Überzeugungsarbeit gab es Unterstützung seitens der Schulleitung, der Schulaufsichtsbehörde sowie des ILS (Institut für LehrerInnenforschung und Schulforschung, Universität Innsbruck). 
  • Im Schuljahr 2000/01 begann außerdem ein Lehrerteam mit fächerübergreifenden Portfolios - Netzfolios - in einer NW-Klasse der Sekundarstufe 1 zu experimentieren. Mehr Eigenständigkeit für Schüler in der Leistungsbewertung schien entsprechend dem Charakteristikum der NW-Klassen besonders angemessen. Hierfür war kein Schulversuch erforderlich, da es um Ergänzung, nicht aber um Reduzierung von Klassenarbeiten ging. Die mit dem 2000/01 in Kraft getretenen Lehrplan verbundene Reduzierung von Klassenarbeiten ermöglichte es, die freigesetzten Zeitressourcen in die Portfolioarbeit in den Klassenstufen 5 bis 8 zu investieren. 
  • Ein zweiter Schulversuch wurde nach Zustimmung durch Kollegium und Behörden im Schuljahr 2003/04 in den NW-Klassen der Sekundarstufe 2 (Klassenstufen 9 bis 12) begonnen. Mit ihm wurden andere Formen der Leistungsbeurteilung (z.B. Portfolios, Facharbeiten, Gruppenarbeiten) an Stelle von 1 - 2 Klassenarbeiten pro Schuljahr zulässig. Trotz des fächerverbindenden Aspekts des Konzepts der NW-Klassen wird diese Form zurzeit von den Kollegen noch weniger als Netzfolio vielmehr als Fachportfolio eingesetzt.

Portfoliomodelle an unserer Schule als Ergebnis dieser Initiativen im Überblick

  • Englischportfolios als Typ des Fachportfolios werden als Schulversuch seit 2000/01 am Gymnasialzweig systematisch im Englischunterricht der Sekundarstufe 2 (ab Schulstufe 10) sowie seit 2003/04 in einer bilingualen Klasse (Schulstufe 9) eingesetzt. Dies ersetzt einen Teil von Klassenarbeiten. Fachportfolios werden darüber hinaus auch teilweise in anderen Unterrichtsfächern vor allem in den NW-Klassen der Sekundarstufe 2 genutzt.
  • Mit fächerübergreifenden Portfolios (Netzfolios) wird in den NW-Klassen der Sekundarstufe 1 (Schulstufen 5 bis 8) seit 2000/01 gearbeitet. 
  • In den NW-Klassen der Sekundarstufe 2 ist es ebenfalls zulässig Netzfolios, die anteilig Klassenarbeiten ersetzen, im Rahmen eines Schulversuchs einzusetzen.
  • Das  Europäische Sprachenportfolio für die Mittelstufe wird seit März 2003 als österreichischen Variante pilotiert.

Organisationsstruktur, Ressourcen und Fortbildung für die Arbeit in den NW-Klassen

  • In den NW-Klassen ermöglicht eine besondere Organisationsstruktur nicht nur fächerübergreifendes, themenzentriertes Arbeiten sondern erleichtert auch den Einsatz von Portfolios. 
  • Durch Verabredung der beteiligten Lehrer untereinander ist ein Stundenpool für Freiarbeit eingerichtet, in dessen zeitlichen und organisatorischen Rahmen die Schüler auch ihre Portfolios erstellen (s. Pkt. 3). 
  • In allen NW-Klassen ist die Stundentafel um zwei Unterrichtsstunden für das Training von Methoden und Basiskompetenzen ausgeweitet worden. 
  • Eine Lehrerarbeitsstunde pro Klasse ist zweiwöchentlich für jeden im NW-Team mitarbeitenden Lehrer für Teambesprechungen eingeplant. 
  • Die räumliche Ausstattung in den NW-Klassen besteht in Sitzecken, Leseecken und Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Materialien der Schüler (z.B. farbige Kästen). 
  • Fortbildung zu Portfolioarbeit wird von der Schulleitung befürwortet und von immer mehr Kollegen genutzt. Ungefähr zweimal im Jahr treffen sich alle Lehrer der NW-Klassen zu schulinternen Fortbildungstagen. Hier werden z.B. durch Experten Impulsreferate gehalten oder aber Entwicklungen diskutiert (z.B. die Fragen, ob das Netzfolio in der in den Schulstufen 5 bis 8 gehandhabten Form auch in die Oberstufe übernommen werden soll; welche Standards in der NW-Klassen zu setzen sind; wie sich Portfolio-Modelle harmonisieren lassen). Darüber hinaus besuchen Lehrerteams externe Fortbildungen.

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