Zur Startseite der Toolbox Bildung Zur Website der Bertelsmann Stiftung

Das Feedbacksystem als Professionalisierungsinstrument an der Friedrich Weinbrenner Gewerbeschule Freiburg (Individualfeedback)

Inhaltsverzeichnis

3. Durchführung bzw. Ablauf (inkl. Verantwortlichkeiten)

Vorbemerkung: Die Entwicklung einer Feedbackkultur an der FWG wird durch eine gestufte Umsetzung unterstützt ( Arbeitsphasen im Überblick). Die Beschreibung der Durchführung erfolgt auf dem Stand der Implementierung im Schuljahr 2006/07.

3.1 Definition Feedback

  • In der Sozialpsychologie wird unter Feedback eine gezielte und bewusste Rückmeldung an eine Person verstanden, die ihr Informationen darüber liefert, wie ihr Verhalten von anderen wahrgenommen, erlebt und verstanden wird (aus:  Praxisleitfaden LL-Feedback).
  • "Das Kollegium der FWG versteht das Feedback als eine Möglichkeit, die Stärken der pädagogischen Arbeit zu fördern und Schwächen zu erkennen und abzubauen." (aus:  Konsensbeschluss, Nov. 2006).

3.2 Organisation und Unterstützung der jährlichen Feedbackprozesse

  • Für den Organisationsablauf gelten:  Prozessbeschreibung Feedback;  Prozessbeschreibung LL-Feedback;  Prozessbeschreibung SL-Feedback.
  • Die Verantwortung für die Organisation der Feedbackprozesse - Anmeldeverfahren, Vertretungsorganisation, Teambildung zum LL-Feedback, Dokumentation - liegt bei den AL bzw. bei großen Abteilungen bei der Leitung der FG.
  • Als Handreichung steht der  Praxisleitfaden LL-Feedback zur Verfügung.
  • Zu den einzelnen Arbeitsschritten sind im Intranet Hilfestellungen in Form von Prozessbeschreibungen, Methoden, Materialien abrufbar ("Methodenkoffer").
  • Über die Beratungslehrer haben wir 2007 begonnen ein Unterstützungssystem nach durchlaufenen Feedbackverfahren aufzubauen (s. Pkt. ' 4. Zwischenbilanz).

3.3 Teilprozesse im Lehrer-Lehrer-Feedback

( Prozessbeschreibung LL-Feedback)

  • Der Ablauf eines LL-Feedbacks gliedert sich in drei Arbeitsphasen:
    • Die Vorbereitung
    • Die Hospitation im Unterricht
    • Die Nachbereitung

3.4 Die Vorbereitung des LL-Feedbacks

  • Die Vorbereitungsphase gliedert sich ihrerseits in drei Arbeitsschritte:
    1. Teambildung (in der Regel 3er-Team, "Trio")
    2. Persönliche Vorbereitung 
    3. Vorbereitungsgespräch im Team.
  • Die Bildung eines 3er-Teams beginnt mit der Suche nach Teampartnern. Suche und Suchergebnis werden von den jeweils interessierten Kollegen in eine Liste entweder bei der Abteilung, bei der FG oder im Intranet eingetragen. Diejenigen, die ihr Interesse bekundet haben, klären die Teambildung untereinander.
  • Zur individuellen persönlichen Vorbereitung hält jedes Team-Mitglied eigene Erwartungen an das Feedback und etwaige Befürchtungen gegenüber der Feedbacksituation schriftlich im  persönlichen Reflexionsbogen fest.
  • Im Vorbereitungsgespräch des 3er-Teams werden organisatorische und inhaltliche Fragen besprochen und verbindlich vereinbart ( Vorbereitungsbogen Team), z. B.:
    • Welche Termine legen wir fest?
    • Wer wird in welcher Klasse besucht?
    • Welche der vorgeschlagenen  Feedback-Regeln erachten wir im Feedback-Prozess als wichtig? Wollen wir zusätzliche Feedback-Regeln vereinbaren?
    • Welcher Beobachtungsfokus wird von welchem Teammitglied gewünscht? Als Beobachtungsfokus kann z. B. gewählt werden: Fokus Körpersprache des Lehrers,  Fokus Interaktion - Motivierung, Förderung der Selbstständigkeit der Schüler, Umgang des Lehrers mit einer unruhigen Klasse, Methodeneinsatz.
    • Welche Methode wollen wir nutzen? Welcher Beobachtungsbogen (Beo-Bogen) soll zum Einsatz kommen? Ist er noch anzupassen? Im "Methodenkoffer" des Intranet finden sich dazu Tabellen oder Mindmaps, z. B.:  Beo-Bogen Interaktion-Motivation;  Methode Zielscheibe. Die vorgefertigten Materialien können gekürzt bzw. auch um individuelle Beobachtungsaspekte erweitert werden.
  • Das 3er-Team versucht eine vertrauliche, angenehme Atmosphäre herzustellen. Dafür ist die gegenseitige Abmachung hilfreich, dass alles, was im Rahmen des Feedbackprozesses besprochen wird, nicht an andere weitergegeben wird.

3.5 Die Hospitation im Unterricht

  • Es liegt im Ermessen der Lehrperson, ob und wie sie die Klasse auf die Hospitation vorbereitet (Anliegen, Hospitanten, Zeitpunkt, Dauer: meist 1 Unterrichtsstunde).
  • Entsprechend ihrer Beobachterrolle suchen sich die Feedback-Geber einen etwas zurückgezogen Platz, beobachten ihren Kollegen und machen sich zum vereinbarten Beobachtungsfokus Notizen z. B. im  Beo-Bogen Interaktion-Motivation.

3.6 Die Nachbereitung im Team

( Nachbereitungsbogen Team)

  • Die Nachbereitung im 3er-Team soll möglichst zeitnah, z. B. in der darauf folgenden Unterrichtsstunde erfolgen. Auch da sich dies aus stundenplantechnischen Gründen nicht immer umsetzen lässt ist wichtig, dass sich jedes Teammitglied zunächst selbst seine Wahrnehmung vergegenwärtigt, die Beobachtungsnotizen durchgeht, ggf. Bemerkungen dazu festhält ( Nachbereitungsbogen Team;  persönlichen Reflexionsbogen; s. auch Pkt. ' Die persönliche Reflexion).
  • Im Teamgespräch findet das eigentliche Feedback statt. Grundlage sind die zuvor vereinbarten  Feedback-Regeln sowie die Notizen ( Vorbereitungsbogen Team).
  • Der Feedback-Nehmer bittet seine Teampartner um ihr Feedback. Diese ritualisierte Form ist deshalb wichtig, weil sich die Beteiligten damit noch einmal die für gelingendes Feedback förderliche Haltung vergegenwärtigen.
  • Es gilt grundsätzlich zunächst die eigene Wahrnehmung (z. B.: Was habe ich gehört, gesehen?) und danach das subjektive Empfinden (Wirkung, Reaktion: Dabei habe ich folgendes empfunden …) konkret zu beschreiben. Auch der Feedback-Nehmer kann sich zu seinen Wahrnehmungen und Empfindungen äußern. Essenziell für seine Rolle ist allerdings das  Zuhören.
  • Oft werden zusätzlich zum vereinbarten Fokus Beobachtungen festgehalten, die ebenfalls mitteilenswert scheinen. In einem solchen Fall würde der Feedback-Geber den Feedback-Nehmer zunächst fragen, ob dieser dazu etwas erfahren möchte.
  • Die Nachbereitung im Team sollte - ebenfalls als Ritual - damit enden, dass sich der Feedback-Nehmer bei den Feedback-Gebern für ihre Informationen bedankt.

3.7 Die persönliche Reflexion - individuelle Nachbereitung

im  persönlichen Reflexionsbogen

  • Die persönliche Reflexion findet in zwei Arbeitsschritten statt:
    1. in einer Reflexion kurz nach dem Feedback und 
    2. in einer sich darauf beziehenden Reflexion nach drei Monaten. 
  • Kurz nach dem Nachbereitungsgespräch im Team hält der Feedback-Nehmer seine eigenen Eindrücke und Empfindungen entlang von Leitfragen schriftlich fest. Nach dem Abgleich mit seiner im Vorfeld formulierten Erwartungshaltung steckt er sich persönliche Arbeitsziele für die nächsten drei Monate. Die Hoheit über diesen Bogen verbleibt bei ihm. Auch entscheidet er autonom über sein weiteres Vorgehen. Für den Reflexionstermin nach drei Monaten sollte er sich einen Termin setzen.
  • Nach drei Monaten zieht er eine eigene Bilanz dessen, was er umgesetzt hat, welche Umsetzungen ausgeblieben sind und worin er mögliche Gründe dafür sieht. Mit diesem Termin ist der erste Feedbackprozess abgeschlossen. Ggf. setzt er sich einen neuen Zeitpunkt für einen nächsten Feedbackprozess.

3.8 Zum Schüler-Lehrer-Feedback

  • Ein Kollege, der sich für ein SL-Feedback entscheidet, klärt zur persönlichen Vorbereitung seine inhaltlichen Erwartungen an das SL-Feedback (Was möchte ich von meinen Schülern wissen?).
  • Auch trifft er persönliche Festlegungen zu Fragen der Organisation wie:
    • Welche Klasse möchte ich um Feedback bitten?
    • Wann soll es stattfinden?
    • Wie kann ich den Aufwand möglichst gering halten?
    • Welche Instrumente bzw. welche der Frageboden-Module setze ich ein?
  • Er informiert die Klasse vor dem Feedback: Was ist ein SL-Feedback? Worum geht es mir als Lehrer dabei? Wie kann das Ergebnis des Feedbacks als Grundlage dienen um mit den Schülern über das Unterrichtsgeschehen und den Lernprozess ins Gespräch zu kommen? Wie könnten Klasse und Lehrkraft zu konkreten Ergebnissen und Konsequenzen aus dem Feedbackgespräch kommen?
  • Das SL-Feedback wird durchgeführt, indem Schüler z. B. die Fragebögen bearbeiten (s.  Fragebogen SL-Feedback Sprachen).
  • Die Fragebögen werden manuell über eine Strichliste ausgewertet. Empfehlenswert ist Schüler die Auszählung vornehmen zu lassen. Statistikprogramme stehen FWG-intern bislang nicht zur Verfügung.
  • Auswertung und Interpretation mit der Klasse sind Kern der SL-Feedback-Aktivität. Es geht darum Vorstellungen zu gewinnen, was ggf. geändert werden muss, damit sich der Lernprozess insgesamt verbessert. Für die Dateninterpretation können z. B. folgende Leitfragen hilfreich sein: Gibt es Überraschungen? Ausreißer? Was fällt besonders auf? Als Interpretationshilfe dient ein Frage-Raster ( Auswertung Feedback). Schüler können dies individuell bearbeiten und vorbereiten, bevor ein Gespräch mit der Klasse stattfindet. Die Moderation erfolgt durch den Lehrer.

3.9 Dokumentation des durchgeführten Feedbackverfahrens

3.10 Evaluationsaktivitäten

  • Mit der Änderung des Schulgesetzes vom 13.12.2006 wurde die systematische Qualitätsentwicklung durch Selbst- und Fremdevaluation an den Schulen in BW verbindlich eingeführt. Die Fremdevaluationen wird vom Landesinstitut für Schulentwicklung alle fünf Jahre als sogenannte "Meta-Evaluation" durchgeführt (» http://www.ls-bw.de/). Dabei wird nicht die Schule sondern deren QM-System in den Blick genommen (mit Leitfragen wie: Gab es Zielsetzungen, Maßnahmen, Evaluation? Funktioniert der Regelkreislauf? Sind Verantwortlichkeiten benannt?).
  • An einer solchen Meta-Evaluation hat die FWG im Vorfeld des Landtagsbeschlusses als Pilotschule im Januar 2006 teilgenommen. Das Themenfeld Feedback wurde mit der  Methode Rating-Konferenz evaluiert. Beteiligt waren die Lehrerschaft sowie eine Schülerauswahl. Gruppenweise wurden die Teilnehmer mit Aussagen zum Thema Feedback konfrontiert, die spontan zu bewerten waren (z. B. durch "Punkten"). Eine Ursachenvermutung über das Zustandekommen der Ergebnisse erfolgte dann gemeinsam im anschließenden Analysegespräch. Dies lieferte erste Ergebnisse zur Feedbackkultur, soweit sie einschließlich der Erprobungsphase entwickelt war.
  • Die FeedbackAG hat den  Praxisleitfaden LL-Feedback im Januar/Februar 2006 zusammen mit der Blumschein-Gruppe der Uni Freiburg evaluiert und überarbeitet. Für zukünftige Selbstevaluationen hat sie Forschungsfragen und mögliche Konsequenzen formuliert (s.  Auswertungsaspekte).
  • Entlang dieser  Auswertungsaspekte ist für Juni 2007 zu den Feedbackaktivitäten in 2006/07 eine erste Datenauswertung geplant. Eine Fokusevaluation zu Feedback soll auf dieser Grundlage durchgeführt, deren Ergebnisse in SEKO und FK diskutiert, Empfehlung für die GLK durch die FeedbackAG ausgesprochen werden. 
  • Das Selbstevaluationsinstrument für Schulen (SEIS) der Bertelsmann Stiftung wird für interne Evaluation eingesetzt, so in 2006 (s. dazu die Einschätzung unseres schulischen SEIS-Beauftragten  zum Einsatz von SEIS).

SUCHE

pdf-Download

Hier können Sie den gesamten Bausteintext als pdf-Dokument herunterladen und ansehen:   Feedbacksystem.pdf

© 2005 Bertelsmann Stiftung