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Kompetenzraster – eine neue Form der Leistungsbewertung

Inhaltsverzeichnis

3. Durchführung bzw. Ablauf (inkl. Verantwortlichkeiten)

Kompetenzen beschreiben, ob und inwieweit sich ein Mensch gegenüber selbst oder fremd gesetzten Anforderungen gewachsen, handlungsfähig und erfolgreich erlebt. Unter dem „Referenzieren“ verstehen wir eine lösungs- und entwicklungsorientierte Form der Leistungsbeurteilung, die klar, transparent, nachvollziehbar ist. Individuelle Leistungen werden mit einem Referenzwert in Beziehung gebracht. Die Lernenden können sich in diesem Bezugsrahmen positionieren. Im Gegensatz zur abstrakten Note machen die „Ich-kann-Formulierungen“ in den Feldern des Kompetenzrasters (s. u.) deutlich, welche Leistungen der jeweilige Schüler zu erbringen fähig oder willens war und wo in Zukunft die Akzente zu setzen sind.

 

Die Rolle der Lernenden

  • Die Schüler übernehmen die Hauptverantwortung für ihre Leistung und deren Qualität.
  • Zur Selbststeuerung ihrer Lernprozesse nutzen sie Lernarrangements wie Schülerarbeitsplatz, Lernteams, Coaching, Lernlandschaften, Intensivtrainings, Themenzyklen. Spezielle Instrumente wie Kompetenzraster mit klar formulierten Qualitätsstandards, Portfolio, Layout für die persönliche Arbeitsorganisation unterstützen sie durchgängig bei Planung, Standortbestimmung, Reflexion und Kommunikation ihrer Lernprozesse und Ergebnisse ( Bsp. Lernsequenz).
  • Sie arbeiten in relativ offenen, leistungsheterogenen Settings weitgehend individuell, in ihren eigenen Lerntempi und auf ihren eigenen Lernwegen. Einen großen Teil ihrer Arbeitszeit (mindestens 50%) gestalten sie in eigener Regie.

Lernarrangements

  • An jedem Schülerarbeitsplatz steht eine „richtige“ Baustelle ( Bild Baustelle 2004): Auf einem Sockel sind senkrecht zwei rot-weiße Absperrungslatten angebracht. Oben auf den Latten ist z. B. ein Bauhelm befestigt. Unser „inneres“ Bild von Lernprozessen als einer Art Dauerbaustelle nimmt hier Gestalt an. Diese Baustelle bildet die symbolträchtige „Hardware“ für das Referenzieren. Die Kompetenzraster (s. u.) werden an den Absperrungslatten befestigt und sind somit für jeden einsehbar und transparent.
  • Zu ihren Aufgaben kommen die Schüler beispielsweise über sogenannte „LernJobs“. Die einzelnen Felder der Kompetenzraster mit ihren Formulierungen haben Modulcharakter. Hinter jedem dieser Module verbergen sich „Lernlandschaften“. Sie sind ein Gemeinschaftswerk des Kollegiums oder einzelner Fachschaften und werden laufend erweitert. Zugang erhalten die Lernenden über ihre Lehrer oder über den Computer. Per Mausklick können Informationen abgerufen werden: Beispiele, Arbeitsimpulse, praktische und lebensnahe Aufgaben, Materialien, Checklisten, Hinweise auf Lernprogramme, Orientierungstests, …(aktuelle Beispiele s. unter Link: » http://www.institut-beatenberg.ch/seite.php?top_id=3&nav_id=111&unav_id=18&unav_modul=0 sowie » http://www.institut-beatenberg.ch/xs_daten/Materialien/Artikel/artikel_lernjobs.pdf ).
  • In den Fächern Deutsch, Französisch, Englisch und Mathematik finden Lerngruppen übergreifend Intensivtrainings in altersübergreifenden, jedoch leistungsbezogenen homogenen Kleingruppen statt. Hier können die Lernenden fachbezogen und ihrem Kenntnisstand entsprechend ihr Wissen erweitern.
  • Themenzyklen (z. B. Science, Raum und Zeit) und eine Vielfalt spezieller Lernanlässe ergänzen das Programm.

 

Aufbau und Beispiele für Kompetenzraster (aktuelle Kompetenzraster s. unter Link:  » http://www.institut-beatenberg.ch/seite.php?top_id=3&nav_id=111&unav_id=34&unav_modul=0 )

  • Das Kompetenzraster ist eine Matrix, die in der Senkrechten jene Kriterien der Kompetenzbereiche aufführt, die ein bestimmtes Fachgebiet (z. B. Englisch) oder auch das Arbeits- und Sozialverhalten ( Kompetenzraster ASK 2004) inhaltlich bestimmen („Was?“). Inhaltliche Kriterien z. B. für die Arbeits- und Sozialkompetenz sind: Selbststeuerung, Kreativität, Qualität, Interaktion und „Commitment“. In der Waagerechten werden zu jedem dieser Kriterien aufsteigend Niveaustufen definiert („Wie gut?“) (zum Aufbau eines Kompetenzrasters siehe die Abbildung auf Folie 37 unter Link: » http://www.updatenet.ch/images/9/9d/Praesentation-updatenet.pdf)
  • Die Felder der Matrix definieren die Inhalte und die Qualitätsmerkmale - beobachtbare Verhaltensmerkmale - in Form präziser „Ich-kann-Formulierungen“.
    Z. B. ist dort für Englisch, Stufe 2, zusammenhängendes Sprechen, formuliert: „Ich kann mit einfachen Sätzen Menschen, die ich gut kenne, beschreiben“ ( Kompetenzraster Englisch 2004; aktuelle, überarbeitete Kompetenzraster s. unter Link: » http://www.institut-beatenberg.ch/xs_daten/Materialien/kompetenzraster.pdf ).
    Für die Arbeits- und Sozialkompetenz ist zum Kriterium „Interaktion“ in der höchsten Niveaustufe C1 formuliert (Auszug): „Ich kann aktiv die Zusammenarbeit mit anderen Menschen suchen und mich auch in Führungsrollen nützlich machen. Ich kann mich offen und konstruktiv mit anderen auseinandersetzen. ... Ich kann Verantwortung übernehmen ...“ ( Kompetenzraster ASK 2004; aktuelle, überarbeitete Kompetenzraster zu „Anschlusskompetenzen“ s. unter Link: » http://www.institut-beatenberg.ch/xs_daten/Materialien/anschluss_kompetenzraster.pdf ).

 

Zuordnung von Lernleistungen (Referenzieren)

  • Mit den „Ich-kann-Formulierungen“ stecken die Kompetenzraster den Erwartungshorizont von einfachen Grundkenntnissen bis hin zu komplexen Fähigkeitsstufen ab. Diese klare inhaltliche Abgrenzung der einzelnen Felder erleichtert den Schülern die Orientierung bei der Auseinandersetzung mit den Themenbereichen und ermöglicht ihnen das Referenzieren.
  • Ziele und Ergebnisse der Arbeit der Lernenden finden ihren Niederschlag - bzw. ihre Referenz - in den Rubriken der Kompetenzraster. Dazu besprechen die Schüler ihre entstandenen Arbeiten mit ihrem Coach und schlagen vor, wo die einzelne, von ihnen fertig gestellte Arbeit in den jeweiligen Kompetenzrastern einzuordnen sei.
  • Farbige, mit Nummern versehene Klebepunkte, die der Schüler anschließend nach Absprache mit dem Lerncoach in die Rasterfelder klebt, machen deutlich, welchen Kriterien und Qualitätsmerkmalen seine Leistung entspricht, wo sich Stärken und Schwächen abzeichnen und wo weitere Lernschritte ansetzen sollten. Jeder Farbpunkt markiert die Qualitätsstufe eines Lernnachweises. Er ist eine Art „Checkpoint“. Schulisches Lernen ist damit als Dauerprozess des Sich-Auseinandersetzens eingebettet in ein integrales System von „Checks & Balances“ (s. auch Link: » http://www.updatenet.ch/images/9/9d/Praesentation-updatenet.pdf , Folie 41).

 

Lernportfolio

  • Die Nummer auf den in die Kompetenzraster eingeklebten farbigen Punkten findet sich auf den Schülerarbeiten wieder, die die Schüler in ihren Lernportfolios ablegen. Damit kann jedes abgelegte Arbeitsergebnis einem Lernstand zugeordnet werden, der als Punkt im Kompetenzraster auftaucht.
  • Im Lernportfolio dokumentieren und präsentieren die Schüler ihre schulische und persönliche Entwicklung. Dazu wählen sie authentische Belege von Arbeiten und anderen Leistungsausweisen aus. Diese versehen sie mit einem Kommentar, der die von ihnen gewonnenen Erkenntnisse deutlich macht. Ein Lernportfolio vermittelt Lernenden wie auch Lehrern einen vertieften Einblick in die Arbeit des Lernenden, in den beschrittenen Lernweg und die dabei durchlaufenen Stationen. Dies ermöglicht eine differenzierte Beurteilung der Lernergebnisse.

 

Kompetenzprofil

  • Durch die farbigen Punkte im Kompetenzraster entsteht mit der Zeit ein individuelles und differenziertes Kompetenzprofil im jeweiligen Fachbereich (eine „Lernspur“ auf einem Raster).
  • Die entstehenden Profile spiegeln die Qualität und Quantität der Leistungen in den betreffenden Gebieten. Sie zeigen dem Schüler, dem Lehrer und auch den Eltern direkt und unmittelbar, was ein Schüler an Leistungen erbracht hat.
  • Die verorteten farbigen Punkte erlauben ein in Beziehung setzen von Lernausgangslage, eigenem Stärken-Schwächen-Profil, gesetzten Zielen und Anforderungen weiterer Ausbildungsstufen, persönlichen Ansprüchen und erbrachten Leistungen. Die sich aus diesem Vergleich ergebenden und auf einen Blick sichtbaren Differenzen zeigen den Handlungsbedarf (s. Link: » http://www.updatenet.ch/images/9/9d/Praesentation-updatenet.pdf , Folie 41).
  • Entsprechend lassen sich Lernvereinbarungen treffen, Akzente setzen und Programme gestalten, die der individuellen Situation und den Bedürfnissen Rechnung tragen. Der Gestaltende ist dabei hauptsächlich der Schüler selbst. Von seinem Coach erhält er die erforderliche Unterstützung. („Hilfe zur Selbsthilfe“). Das Lernen wird damit zu einer wirklich persönlichen Angelegenheit.

 

Das „Layout“ – ein Instrument zur Selbstorganisation ( Ausschnitt Layout 2004; aktuelle Version s. Link: » http://www.institut-beatenberg.ch/xs_daten/Materialien/layout.pdf)

  • Bei ihren Lernvereinbarungen mit dem Coach stützen sich die Schüler auf ein einfaches aber wirkungsvolles Instrument des Selbstmanagements namens „Layout“. Es wurde am Institut Beatenberg Mitte der 90er Jahre entwickelt und wurde laufend den gewonnenen Erkenntnissen und den sich verändernden Anforderungen angepasst.
  • Das Layout dient der differenzierten Planung mit der Formulierung eines Wochenschwerpunkts, persönlicher Zielformulierungen, der systematischen Reflexion, Erfolgseinschätzung, dem Feedback und auch „Feedforward“. Es zielt darauf ab, den Lernenden das Vertrauen in die eigene Kraft zurückzugeben und darauf hin zu wirken, Erfolg als Resultat persönlicher Anstrengung wahrzunehmen (Selbstwirksamkeit).
  • Es besteht aus einem gefalteten und bedruckten Papier - etwas besserer Qualität, um die Wertschätzung auszudrücken. Über das Schuljahr hinweg werden diese Papiere von den Lernenden in einem Ordner aufbewahrt, um so eine schulische und persönliche Entwicklung zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen. Die schriftliche Form schafft eine besondere Verbindlichkeit, eine Selbstverpflichtung.
  • Die Innenseiten des Layouts enthalten einen Agendateil zur Terminplanung und Arbeitsorganisation für den Zeithorizont einer Woche ( Bsp. Layout Innenseite 2004).
  • Mit dem Wochenschwerpunkt auf der vorderen Deckblattseite wird ein „Grundriss“ dessen gezeichnet, was innerhalb einer Woche, wie und warum es zu geschehen hat. In einer Art Selbstvereinbarung beantwortet der Schüler für sich die Frage „Was muss bis Freitag passiert sein, damit ich sagen kann, ‚Es hat sich gelohnt‘?“. Bei der Suche nach einer Antwort setzt sich der Lernende mit Werten, Anforderungen und ganz praktischen Problemstellungen persönlicher oder schulischer Art auseinander ( Bsp. Layout Deckblatt 2004).
  • Auf sinnlich wahrnehmbare Kriterien der Wirksamkeit zielen die Folgefragen: „Woran erkennst du, dass es geschehen ist?“ und „Woran erkennt ... (z. B. der Coach oder ein Mitschüler) dass es geschehen ist?“ Der Lernende wird so „gezwungen“ sich ein konkretes Bild dessen zu machen, was passieren soll (Bsp.: „Ich kann eine Gebrauchsanweisung für das Kürzen von Brüchen gestalten, die es drei Mitschülern ermöglicht, entsprechende Aufgaben zu lösen“). ( Bsp. Layout Deckblatt 2004)
  • Mit derlei lösungs- und entwicklungsorientierten Fragestellungen sollen innere Bilder entstehen. Wir gehen davon aus, dass der Schüler implizit den Transfer schon geleistet hat, wenn er in der Lage ist, eine entsprechende Beschreibung zu formulieren.
  • Zur Reflexion am Ende der Woche formuliert der Schüler mindestens drei Situationen, in denen er sich erfolgreich gefühlt und das auf eigene Aktivitäten zurückgeführt hat ( Bsp. Layout Deckblatt 2004).

 

Coaching

  • Der Lehrer wird zum Coach, zum Sparringpartner, zum Facilitator, zum Lernberater.
  • Die Lernenden setzen sich mit ihrem Coach zu den für sie relevanten Themen im klar definierten curricularen Rahmen (Kompetenzraster) zusammen und auseinander. Insbesondere beraten sie gemeinsam die Zuordnung der Leistung zum Kompetenzraster und sprechen über die weiteren Lernschritte. Daraufhin gehen die Lernenden individuelle Verbindlichkeiten ein ( Ausschnitt Layout 2004).
  • Zum Wochenabschluss gibt ein Coach – orientiert an den Eintragungen der Lernenden in ihrem „Layout“ und in ihren Kompetenzrastern – ein strukturiertes Feedback und schlägt mit einem „Feedforward“ durch Hinweise und Anregungen eine Brücke zur nächsten Woche (s. „Erkenntnisse/ Vereinbarungen“ auf der Rückseite der aktuellen Version des Layout unter Link: » http://www.institut-beatenberg.ch/xs_daten/Materialien/layout.pdf).

 

Kooperation und Weiterentwicklung im Kollegium

  • Teil der Arbeitszeit nach dem Präsenzmodell ist die permanente Weiterbildung.
  • An einem festgelegten Nachmittag der Woche treffen sich die Lehrpersonen zum Workshop.
  • Gegenstand dieser Workshops ist die Auseinandersetzung mit dem, was getan wird, verbunden mit der Frage „Wie könnten wir es noch besser machen?“ ( Fotoprotokoll 2004).
  • Zwei Ferienwochen sind ebenfalls der internen Weiterbildung gewidmet. Auf diese Weise werden jährlich fünf Arbeitswochen pro Person in die Weiterbildung investiert.

 

Evaluation

  • Mittels eines Fragebogens und in vielen persönlichen Gesprächen liefern die ehemaligen Schüler wertvolle Hinweise darauf, ob der Aufenthalt in Beatenberg sich in der weiterführenden Ausbildung als Nutzen stiftend herausgestellt hat. Es geht einerseits um die Frage, ob sie das nötige fachliche Wissen mitbringen. Es geht aber auch um Fragen der Lern- und Arbeitstechnik bzw. der Einstellung dazu (knowledge – skills – attitude) ( Fragebogen 2004).
  • Zwei Mal jährlich beurteilen die Schüler alle Lern- und Freizeitcoaches. Die Ergebnisse werden für alle Beteiligten in allen Einzelheiten transparent gemacht. Das heisst: Alle Coaches wissen voneinander, welcher Schüler welche Bewertungen abgegeben hat. Das Gleiche gilt für die Lernenden selber ( Unterrichtsbewertung 2004).
  • Die Ergebnisse der Bewertung bilden eine wichtige Grundlage für individuelle und institutionelle Entwicklungen.
  • Extern lassen wir uns evaluieren und nach dem Qualitätsmanagementsystem „2Q“ (Qualität und Qualifikation; Prof. Dr. Karl Frey, ETH Zürich) zertifizieren.

SUCHE

Kontakt

› Institut Beatenberg
0041-338418181

pdf-Download

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 Kompetenzraster – eine neue Form der Leistungsbewertung.pdf

 

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