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Sprachförderung in der Schuleingangsphase für Schüler und Eltern - Das „Styrumer Modell“Inhaltsverzeichnis Das Styrumer Modell (StyMo) - Im Schuljahr 2003/04 umfasst das StyMo die folgenden Elemente:
-
systematische Sprachstandserfassung und Bedarfserhebung für
vorschulische Sprachfördermaßnahmen (seit dem Schuljahr 2001/02);
modifiziert durch die landesweite Neuregelung zum Schuljahr 2003/04
(s.u., „Diagnoseverfahren ...“)
- Fördermaßnahme für Kinder nicht-deutscher Herkunftssprache der 1.
Klassen mit Defiziten in der deutschen Sprache (StyMo-Unterricht; seit
1997/98)
- Erweiterung des Förderangebots (seit 2001/02 auch für Kinder mit Deutsch als Muttersprache)
- bei weiterem Förderbedarf: drei Stunden zusätzlicher
Deutschunterricht für Kinder im folgenden zweiten Schuljahr (seit
2001/2002)
- Mütterkurse seit Beginn (1997/98).
- Außerdem läuft seit 2001/02 ein vorschulischer Sprachförderkurs,
der sich seit 2003/04 nur noch an Lernanfänger richtet, die keine
Sprachförderung durch einen Kindergarten erhalten.
- Das StyMo ist ein Kooperationsprojekt zwischen der GGS und der RAA.
Dabei ist die RAA als Trägerin des Projektes zuständig für
Finanzierungsfragen, Konzept, Beratung und Begleitung. Sie fungiert als
„kritischer Freund“ der GGS. Für die Umsetzung des Konzeptes im
Schulalltag, für die inhaltlichen und organisatorischen Belange ist die
GGS ist verantwortlich. Sie übernimmt bei der konzeptionellen
Weiterentwicklung zunehmend den aktiveren Part.
Diagnoseverfahren zur Sprachstandseinschätzung - Das
Aufnahmeverfahren der Lernanfänger für das kommende Schuljahr findet
jeweils im Oktober bzw. November in der Schule statt. Zuständig ist die
Schulleitung.
- Seit dem Aufnahmeverfahren im Oktober 2003 sind die Grundschulen in
NRW verpflichtet, im 1. Schritt eine Einschätzung des Sprachstands der
zukünftigen Lernanfänger vorzunehmen, wobei ihnen die Verfahrensweise
zur Zeit freigestellt ist. Hierzu können Mülheimer Schulen auf den
Fragebogen Bedarfserhebung RAA und andere Dienstleistungen der RAA zurückgreifen.
- Im 2. Schritt ist für als förderungsbedürftig erkannte Kinder
jeweils im November ein standardisierter Sprachtest verbindlich
vorgesehen. Die Schulen der Bezirksregierung Düsseldorf konnten unter
drei Testversionen auswählen, die entweder über Buchhandel oder über
die Homepage des Landesinstituts für Schule NRW (s. auch Punkt
„Bemerkungen“) zu beziehen waren. Die GGS hat sich für den
standardisierten Sprachstandstest „Fit in deutsch“ aus Hessen
(Lehrerfortbildungsinstitut) entschieden, der dem bereits von ihr
verwendeten sehr ähnlich ist.
- Die Durchführung des Sprachstandstest (2. Schritt) dauert 30 bis 60 Minuten pro Kind.
- In den Vorjahren wurden die Eltern zum Abschluss des
Aufnahmeverfahrens über die Förderangebote der GGS informiert und
beraten. Die Entscheidung lag bei ihnen, sie konnten ihr Kind direkt
anmelden. Seit Herbst 2003 werden Eltern von Kindern mit
diagnostiziertem Sprachförderbedarf im November schriftlich
aufgefordert, ihr Kind zur verpflichtenden Fördermaßnahme zu schicken,
die an den diagnostizierten Defiziten ansetzt.
Der vorschulische Sprachförderkurs - Zusätzlich
zur Fördermaßnahme in der 1. Klasse (StyMo-Unterricht; s.u.) wurde im
Schuljahr 2001/02 an der GGS unter der formalen Federführung der
Jugendhilfe die vorschulische Sprachfördermaßnahme für zukünftige
Lernanfänger eingerichtet und terminlich mit den von Kindergärten
angebotenen Maßnahmen koordiniert.
- Die teilnehmenden Kinder beginnen ein halbes Jahr vor der
Einschulung und erhalten insgesamt vier Unterrichtsstunden, verteilt
auf zwei Tage pro Woche.
- Die RAA akquiriert Honorarkräfte für den Unterricht (meist
Studenten des Lehramtes, aber auch Lehramtsanwärter, Erzieher oder
andere pädagogisch vorgebildete Kräfte). Sie stellt ihnen dafür ein
ausgearbeitetes Konzept („Rucksack-Projekt“) mit Curriculum,
Unterrichtswerk und Materialien zur Verfügung, übernimmt die
inhaltliche Einweisung in die Arbeit und bietet begleitend sechs je
3stündige Fortbildungsveranstaltungen an.
- Um die Sprachfördermaßnahmen an Schulen zu ersetzen, werden diese
nun im Rahmen der Neuordnung der Bildungspläne für die Kindergärten
zunehmend schon in den Kindergärten durchgeführt. Zum Schuljahr 2003/04
hat die Bezirksregierung die Schuleingangsphase umstrukturiert, so dass
seitdem an der GGS-Maßnahme nur noch Kinder teilnehmen, die keinen
Kindergarten besuchen oder in deren Kindergärten keine
Sprachfördermaßnahme durchgeführt wird.
- Am Ende des vorschulischen Sprachförderkurses werden die Eltern bei
einem Elternabend oder bei einem Sommerfest erneut über das Styrumer
Modell mit den Fördermöglichkeiten im 1. Schuljahr informiert.
Organisation des Unterrichts nach dem Styrumer Modell (StyMo-Unterricht) - In
den ersten sechs Schulwochen werden alle Schulanfänger in die Rituale
des Schul- und Klassenlebens eingeführt. Während dieser Zeit beobachten
Klassenlehrer und Erzieherin die Kinder u.a. daraufhin, ob über die
Teilnahme am vorschulischen Sprachförderkurs hinaus weiterer
Sprachförderbedarf festzustellen ist. Den Eltern dieser Kinder wird der
StyMo-Unterricht empfohlen und ihnen selbst die Mütterkurse (s.u.)
angeboten
(Elterninformation).
- Der etwa in der siebten Unterrichtswoche beginnende
StyMo-Unterricht umfasst sechs Stunden zusätzlich zum regulären
Stundenplan von 19 Unterrichtsstunden. Davon liegen zwei Stunden
nachmittags, die übrigen vier in der 5./ 6. Stunde
(StyMo-Stundenplan).
- Seit 2001/2002 erhalten die Kinder bei weiterem Förderbedarf auch
im folgenden zweiten Schuljahr drei Stunden zusätzlichen
Deutschunterricht
(StyMo-Stundenplan).
- Den Unterricht führt der Klassenlehrer im Team mit der Erzieherin oder der Muttersprachenlehrerin durch » (Organisationsmodell).
- Die StyMo-Kleingruppe setzt sich je Gruppe aus ca. 10-15 Schülern zusammen.
Inhalte des StyMo-Unterrichts in der 1. bzw. 2. Klasse - Grundlage für den StyMo-Unterricht sind fünf
Curriculare Bausteine.
- Schwerpunkt ist die systematische Sprachförderung (Bausteine 1 –
3), überwiegend mit Inhalten des Deutschunterrichts aber auch Anteilen
der jeweiligen Muttersprache (z.B. lässt sich Lesemotivation auch über
muttersprachliche Kinderbücher erreichen).
- Baustein 4 widmet sich der Stärkung des Sozialverhaltens und der
Selbstständigkeit. Hierzu gehören das Einführen von wenigen, aber
verbindlichen Regeln über Bilder (Ruhezeichen), die Förderung der
Konzentrationsfähigkeit durch Stilleübungen (z.B. Hörübungen, Mandalas,
Vertrauensübungen, Entspannungsgeschichten) sowie Bewegungsspiele vor
und nach Arbeitsphasen.
- Baustein 5 befasst sich mit Lernformen und Arbeitstechniken (z.B.
aufgabenorientiertes Verhalten auf der Basis spielerischen Lernens,
Anleitung und Hilfe bei Hausaufgaben).
- Der StyMo-Unterricht verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem
die Lebenswirklichkeit der Kinder und die Einbeziehung verschiedener
Sinne und Lernkanäle zum Ausgangspunkt für Lernprozesse werden. Nach
dem Prinzip, dass jeder Unterricht auch Sprachunterricht ist, werden
Unterrichtsthemen – z.B. der Inhaltsbereich „Mein Körper“ –
fächerübergreifend behandelt
(Bsp. Unterrichtsthema).
Wir verwenden Bilder, Texte und andere Anregungen aus gängigen
Unterrichtswerken für das erste Schujahr (Leporello, Sprachreise,
Bausteine Deutsch) oder auch die „DaZ-Box“ (Deutsch als Zweitsprache)
für Wortschatzarbeit (Finken-Verlag). Mittlerweile haben wir mehrere
Ordner mit Arbeitsblättern und Bastelideen als Material für Lehrer
angelegt.
Beobachtung und Rückmeldung zur Lernentwicklung - Lernverhalten
und Arbeitsergebnisse der geförderten Kinder werden im Unterricht
beobachtet. Die Lehrer machen eine Fehleranalyse und besprechen sie mit
den einzelnen Kindern. Es wird zunehmend versucht, Kinder in den
Prozess einzubeziehen, ihr eigenes Lernen einzuschätzen. Wie die Kinder
mit den Rückmeldungen der Lehrer umgehen, wird von Zeit zu Zeit
stichwortartig vom Lehrer festgehalten. Beobachtungsmerkmale sind:
Versteht das Kind bildliche/mündliche/schriftliche Arbeitsanweisungen?
Geht es selbstständig an eine Aufgabe heran? Fragt es oft bei Lehrern
nach? Nutzt es freie Lernzeiten intensiv? Kann es über einen längeren
Zeitraum bei einer Sache bleiben?
- Auf der Basis der individuell festgehaltenen Beobachtungen werden Elterngespräche geführt und am Ende des Schuljahres die
Berichtszeugnisse
verfasst. Sie geben Auskunft über die Lernentwicklung und –leistung in
allen Unterrichtsfächern und enthalten im Teil zum Arbeits- und
Sozialverhalten auch Bemerkungen zum StyMo-Unterricht.
- Mit den Eltern der am StyMo-Unterricht teilnehmenden Kinder gibt es
regelmäßige Gespräche. Gelegenheiten für diese Gespräche ergeben sich
z.B. bei Hospitationen von Eltern während des Unterrichts, bei von
einigen Lehrern systematisch vorgenommenen Hausbesuchen, mit den am
Mütterkurs teilnehmenden Müttern während der Kurszeiten.
Mütterkurse (Angebot für Mütter) - Mit dem Start des StyMo-Unterricht beginnen auch die Mütterkurse, auf die sie bereits durch die
Elterninformation
hingewiesen worden waren. Zeitlich parallel zu den Nachmittagsstunden
im StyMo-Unterricht der Kinder treffen sich die Mütter einmal in der
Woche für zwei (Schul-)Stunden (mit Ausnahme des Fastenmonats Ramadan
und der Zeit des Opferfestes).
- Schwerpunkte der von der Erzieherin angeleiteten Arbeit mit den
Müttern sind: Erziehungsziele und verschiedene Erziehungsstile,
Lernförderspiele, Sammeln von Erfahrungen im Umgang mit Materialien,
Büchern und Lernformen, Bedeutung des systematischen Spracherwerbs in
Deutsch und der gezielten Förderung in der Muttersprache, Anforderungen
der Grundschule, Hilfestellung bei Hausaufgaben, Anleitung zum
Erfahrungsaustausch mit dem Lehrpersonal, Anregungen zur aktiven
Teilnahme am Schulleben.
Kooperation der Professionellen - Zur
Vorbereitung des StyMo-Unterrichts im ersten Schuljahr, zum Austausch
und zur Planung individueller Fördermaßnahmen für einzelne Kinder
treffen sich Klassenlehrer, Erzieherin und Muttersprachenlehrerin
wöchentlich im „kleinen StyMo-Team“.
- In ca. sechswöchigem Abstand gibt es eine Projekt begleitende
Besprechung im „großen StyMo-Team“ (Klassenlehrer, Erzieherin,
Schulleiterin, Muttersprachenlehrerin und Leiterin der RAA). Die
Moderation übernimmt die RAA. Hier finden Austausch, Reflexion und
Weiterentwicklung statt. Dazu gehören: Ideenentwicklung (z.B.
Hausbesuche, regelmäßige Telefongespräche mit Eltern),
Weiterentwicklung des Modells (z.B. StyMo nicht nur für Migranten
sondern auch für deutsche Kinder mit sprachlichen Defiziten),
Erarbeitung von Verfahrensweisen und Instrumenten (z.B.
Sprachstandstest, „Schultasche für Eltern“ u.a. mit Formularen und
Beispielen für Entschuldigungszettel), Entwicklung von
Problemlösungsansätzen, emotionale Entlastung, Fortbildung
(Zweitsprachenerwerb, Sprachsystem der Herkunftssprachen,
Grundlagensprachkurs in Türkisch für Lehrer, interkulturelle
Unterschiede, Erweiterung des Methodenrepertoires, um z.B.
Sprachvergleiche oder Fehleranalysen beim freien Schreiben
durchzuführen), Evaluation (Schulkarrieren der Kinder;
Reflexionsschleifen: „Ist es noch richtig, was wir tun?“ „Soll etwas
verändert werden?“), Fallbesprechungen (über Kinder, Mütter) im Sinne
einer Supervision.
- Die engere Kooperation mit den Kindergärten findet seit dem
Schuljahr 2002/03 statt. Um den Übergang vom Kindergarten zur
Grundschule „sanft“ gestalten zu können, besuchen die künftigen
Erstklasslehrer nach den Osterferien den Kindergarten. Dort beobachten
sie die Lernanfänger und nehmen mit ihnen in einer vertrauten Umgebung
Kontakt auf. Zu diesem Termin werden die Eltern eingeladen. Lehrer und
Schulleiterin stehen für Fragen zur Verfügung und bieten Eltern
Einblick in die Arbeit der Schule (z.B. durch Materialien). Sie geben
Tipps, wie Eltern spielerisch ihre Kinder auf die Schule vorbereiten
können. Ca. drei Monate vor den Sommerferien besuchen die neuen
Lernanfänger mit ihrer Kindergärtnerin in Dreiergruppen die Schule. Sie
nehmen dabei an einem normalen Unterrichtstag in der 1. Klasse teil.
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