|
Beratungsgespräche zur Auswertung und Planung von LernprozessenInhaltsverzeichnisLehrer und Schüler betrachten im Beratungsgespräch die zurückliegenden Wochen des laufenden Schulhalbjahres und bilanzieren die zwischen ihnen getroffenen Vereinbarungen. Aus der Reflexion der - gemeinsam oder unterschiedlich wahrgenommenen - Lernergebnisse und -prozesse leiten sie Konsequenzen und Vereinbarungen für die verbleibenden Wochen des Halbjahres ab. Für die Einleitung der Gespräche bleibt es den Pädagogen überlassen, eine offene oder eine geschlossene Fragestellung zu wählen.
Organisation der Beratungsgespräche - In der Mitte jedes Schulhalbjahres wird jeder Schüler zu einem Beratungsgespräch eingeladen, das je nach Bedarf zwischen 20 und 45 Min dauert. Für den Schüler kommen je nach Vorgehensweise des Lehrers weitere 20 bis 45 Minuten Vorbereitungszeit hinzu.
- Für die Durchführung aller Beratungsgespräche sind zwei Tage vorgesehen.
- Innerhalb dieses Zeitraums ist der einzelne Schüler allerdings nur mit bis zu 90 Minuten betroffen. Organisatorisch werden deshalb für alle beteiligten Schüler von den für sie zuständigen Lehrern 1. konkrete Termine vergeben und 2. zu bearbeitende Lernaufgaben aus dem Praxislernen und/oder den innerschulischen Bildungsbereichen vereinbart. Die Aufgabenbearbeitung gestalten die Schüler selbstorganisiert in der Schule (in Lernwerkstatt, Computerraum oder Atelier), am Praxisplatz oder - wenn nötig - auch an anderen Orten der Stadt (z.B. Bibliothek). Lernberatung bzw. Aufsicht wird in der für Selbstlernzeiten an der S-a-S üblichen Weise organisiert.
- Das Beratungsgespräch selbst findet in der Regel im Klassenraum, in Sonderfällen am Praxisplatz des Schülers statt.
- Teilnehmer des Beratungsgesprächs sind jeweils ein Schüler sowie der für ihn zuständige Lehrer und, wenn möglich, ein weiterer Lehrer des jeweiligen Kleinteams. In Einzelfällen nehmen auch Eltern, Betreuer, Praxismentor oder Mitschüler teil.
- Als Materialien liegen zum Beratungsgespräch vor:
Der individuelle Lernplan
- Der Lernplan hält die mit dem Schüler vereinbarten Ziele fest. Diese werden durch eine Sammlung von zur Auswahl gestellten komplexen Handlungs-, Erkundungs-, Fach- und Dokumentationsaufgaben sowie durch eine über einen längeren Zeitraum zu bearbeitende "selbstständige Aufgabe" konkretisiert. (
Bsp. individueller Lernplan Einzelhandel; Bsp. individueller Lernplan Sportstudio). An der Lernplanung ist der Schüler intensiv beteiligt ( Lernplanung). Seine Interessen und Voraussetzungen werden einbezogen. - Der Lernplan ist Basis für die Reflexion von Lernprozess und -ergebnis im Beratungsgespräch. Die Gesprächsergebnisse führen gegebenenfalls zu einer Anpassung des zu diesem Zeitpunkt zunächst noch vorläufigen Lernplans.
Beratungsprinzipien und Beraterhaltung
- Um in der vorgesehenen Zeit ein ergebnisorientiertes Gespräch führen zu können, setzen alle gesprächsführenden Pädagogen eine Struktur. Dies geschieht entweder über ein stärker strukturiertes/formalisiertes Instrument der Selbsteinschätzung (
Selbsteinschätzung Lernverlaufskurve; Selbsteinschätzungsbogen), über ein durch Leitfragen strukturiertes Gespräch ( Gesprächsleitfaden) oder auch durch eine Kombination von beidem. - Die Lehrer zeigen bei der von ihnen gewählten Bilanzierungsform (Fremdevaluation) Respekt, Wertschätzung und den nötigen pädagogischen Takt. Der Jugendliche sollte sich ohne Bedrohung seines Selbstwertgefühls einschätzen können. Stärken und Fortschritte werden gewürdigt, Defizite für eine bestimmte Zeit akzeptiert. Für sie werden Lösungen gesucht, die die Ressourcen des Jugendlichen aktivieren. Der Lehrer attribuiert Verhalten so, dass der Jugendliche Kontrollmacht über sich behält (z.B.: "Wenn du regelmäßig am Unterricht teilnehmen würdest, könntest du die Anforderungen erfüllen."; "Lampenfieber haben viele Menschen bei einem Vortrag."; "Vielleicht hat die S-a-S gar nicht das für dich passende Angebot.").
- Der Pädagoge ist offen gegenüber unvorhergesehen Wendungen. Einstellungen offener und humanistischer (personenzentrierter) Pädagogik sollen leitende
Beratungsprinzipien sein - auch wenn dies nicht durchweg erreicht wird. Es wird auf klare Verabredungen geachtet.
Vorbereitende Selbsteinschätzung - Zur Einleitung des Beratungsgespräch wird der Schüler gebeten, seine Lernentwicklung im laufenden Halbjahr bis zu diesem Zeitpunkt einzuschätzen. Dies geschieht, je nach Herangehensweise des Pädagogen, entweder in geschlossener Frageform schriftlich vor dem eigentlichen Beratungsgespräch oder mündlich zu Beginn des Beratungsgesprächs.
- Bei der geschlossenen Frageform
- erhält der Schüler etwa 45 - 20 Minuten vor dem Beratungsgespräch zwei Instrumente zur Selbsteinschätzung, die er zur Vorbereitung des Gesprächs allein ausfüllen soll. Mit der
Selbsteinschätzung Lernverlaufskurve wird der Schüler gebeten, zunächst eine Globaleinschätzung vorzunehmen. Aus der Erinnerung wird eine Lernverlaufskurve zwischen den Polen "ganz schlecht" und "super" gezeichnet, in der ihm die jeweiligen Wochen als grobe Anhaltspunkte dienen. Anschließend werden von ihm Details zum Lernen in allen drei Bildungsteilen erfragt ( Selbsteinschätzungsbogen). - bilden die Ja/Nein-Statements, mit denen der Schüler darin seine Lerntätigkeit zu Anforderungen, die mit dem Bildungsansatz verknüpft sind, in Beziehung setzt, die Startsituation für das direkt anschließende Beratungsgespräch.
- kann jeder Schüler die vorliegenden Instrumente zur Selbsteinschätzung unabhängig von seiner (schriftlichen) Verbalisierungsfähigkeit oder -bereitschaft nutzen.
- Bei der offenen Frageform
- wird zu Beginn des Beratungsgesprächs durch den anwesenden Pädagogen ein Reflexionsimpuls gegeben ("Was ist in dem betrachteten Zeitraum gut gelungen, welche positiven Entwicklungen sind zu verzeichnen?") und protokolliert.
- ist von Vorteil, dass der Jugendliche schon zu Beginn das Gespräch positiv wahrnimmt: Auch er hat Kontrollmacht über die Situation. Selbstbewusstsein (ohne größere Selbstüberschätzung) ist wichtig für den Gesprächserfolg. Sind erst einmal Erfolge, persönliche Stärken, positive Entwicklungen benannt, so lassen sich oft Schwierigkeiten und Probleme entspannter und sachlicher betrachten. Der Lehrer tritt nicht als Kritiker mit Bewertungsmonopol auf, sondern regt Eigenevaluation an. Nicht selten beurteilt der Jugendliche sich allerdings selbst einseitig negativ, so dass der Lehrer Positives nennen muss.
Gegenstand und Ablauf des Beratungsgesprächs - Der Jugendliche wird freundlich begrüßt und - je nach Vorgehen - zur Besprechung bzw. zunächst um die Bearbeitung der Selbstauswertungsmaterialien gebeten.
- Ziel und geplanter Verlauf des Gesprächs werden genannt, es wird zur aktiven Mitarbeit aufgerufen und darauf hingewiesen, dass das Protokoll nötig ist, aber u.U. stören kann.
- Ausgehend von der vom Schüler getroffenen Positionierung und der Ja/Nein-Statements (
Selbsteinschätzung Lernverlaufskurve; Selbsteinschätzungsbogen) oder - alternativ - dem Impuls zur allgemeinen Einschätzung durch eine offene Frage ( Gesprächsleitfaden) wird nun die Qualität der Lernprozesse und -ergebnisse selbst zum Gegenstand der gemeinsamen Betrachtung. Erfolge und Teilerfolge sowie in Angriff zu nehmende Defizite werden dabei in ausgewogener Weise benannt. Die Aufmerksamkeit wird auf die mit dem Praxislernen verbundenen Selbst-, Sozial- und Sachkompetenzen gelenkt. - Eckpunkte des Auswertungs- und des sich anschließenden Planungsprozesses sind die konstitutive Elemente des Praxislernprojekts: Interessen, Tätigkeiten, Erschließung des Praxisplatzes für Lernprozesse, Dokumentation und "selbständige Aufgabe".
- Anschließend werden die weiteren Bildungsteile mit ihren Bildungsbereichen wie z. B. Englisch, Mathematik, Projekt durchgegangen (
Struktur Bildungsangebot). - Im Gespräch wird Bezug genommen auf Arbeitspläne der Pädagog/innen (
Bsp. Arbeitsplan Projekt), auf vom Schüler formulierte Zielsetzungen ( Bsp. mein Weg zum Ziel), auf den individuellen Lernplan ( Bsp. individueller Lernplan Einzelhandel). Auch "gute Vorsätze" und "Ratschläge", besondere Lernvereinbarungen ( Bsp. Vertrag Pünktlichkeit; Bsp. Lernvertrag) sowie - vor allem in der 10. Klasse - die Frage der weiteren Schullaufbahn und/oder beruflichen Perspektive werden reflektiert. - In der Gesprächsführung wird einem vorstrukturierten Gesprächskonzept gefolgt, jedoch nicht rigide. Wenn die vorgegebene Struktur nicht greift, wird die Gliederung verlassen. Insbesondere erhält der Jugendliche Gelegenheit, Inhalte und Verlauf des Gesprächs mitzubestimmen. Bei der "gesprächsoffeneren" Variante (
Protokollbogen) werden lediglich die zu jedem Bildungsteil zu besprechenden Themen als Strukturierungs- und Protokollierungshilfe benannt. Bei der geschlosseneren Gesprächsführungsvariante dienen vorformulierte Leitfragen der Orientierung ( Gesprächsleitfaden). Letztere eignet sich durch Ankreuzen und stichwortartige Eintragungen besonders, wenn Beratung und Protokollierung in einer Hand liegen. ( Bsp. Gesprächsleitfaden Protokoll). - Einzelne Kollegen arbeiten mit einer Kombination der Instrumente.
- Ko-Berater (falls anwesend) führen in der Regel das Protokoll, nehmen aber auch am Gespräch teil, spiegeln Beobachtungen oder weisen auf getroffene Vereinbarungen hin.
- Der Charakter der Zwischenbilanz wird dadurch verdeutlicht, dass schon Erreichtes, noch zu Leistendes und der Leistungsstand zu diesem Zeitpunkt in Form von Punkten gemäß den
Bewertungskriterien der S-a-S benannt werden. - Zum Abschluss werden die wichtigsten Gesprächsergebnisse zusammengefasst. Gezielte Vereinbarungen über die nächsten Schritte werden getroffen. Dabei wird unterschieden, welche Maßnahmen der Schüler selbstständig umsetzen kann bzw. welche Art der Unterstützung er seitens der Schule erhalten wird.
- Die Gesprächsteilnehmer bewerten abschließend noch einmal das Beratungsgespräch - auch indem sie ein Feedback geben.
- Das vom Lehrer erstellte Protokoll (
Bsp. Protokoll) wird in der Schule aufbewahrt und bei Bedarf zur Unterstützung der Lernentwicklung des Schülers herangezogen. - Schüler/-in und auch Eltern und Betreuer erhalten auf Wunsch eine Kopie.
Bildungsbericht - Die Protokolle helfen unmittelbar beim Schreiben der halbjährlichen Bildungsberichte (
Bsp. Bildungsbericht). Sie beschreiben, wie der Schüler die im Beratungsgespräch getroffenen Vereinbarungen umgesetzt und welche Leistungen er erbracht hat. Fortschritte werden gewürdigt, noch nicht erfüllte Anforderungen benannt. - Bildungsberichte ergänzen die Punktbewertung zum Halbjahr sowie zum Abschluss des Schuljahres das Zeugnis.
|
SUCHE
Hier können Sie den gesamten Bausteintext als pdf-Dokument herunterladen und ansehen: Beratgespraech.pdf |