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Förderung von Lernkompetenz durch Lernreflexion mit dem eigenen Evaluationsinstrumentarium - Fachvorträge in Jgst. 11Inhaltsverzeichnis Projekt „Fachvorträge“ ( Projektübersicht; Handreichung) - Die
gemeinsame Entwicklung eines Beurteilungsrasters für Fachvorträge
bildet den Hintergrund des Unterrichtsvorhabens „Fachvortrag“ im
Jahrgang 11 bzw. 9. Das Vorhaben mündet in die Evaluation der
Vortragsleistungen der Schüler durch die Mitschüler im Bereich der
Vortragskompetenzen (sowie durch den Fachlehrer im Bereich der
Fachkompetenz) in einem Fach, das jeder Schüler für seinen Vortrag
wählt.
- Die Schüler arbeiten in Absprache mit einem ihrer Fachlehrer ein
selbst gewähltes, eingegrenztes Thema so auf, dass sie es in einem
mündlichen Vortrag den Kursteilnehmern vorstellen können.
- Das gesamte Projekt gliedert sich in fünf Phasen: 1. Entwicklung
von Kriterien und Indikatoren für einen guten Fachvortrag; 2.
Vermittlung spezifischer Einzelkompetenzen; 3. Üben der
Einzelkompetenzen; 4. Halten der Fachvorträge mit anschließender
Evaluation; 5. Abschlusswettbewerb.
Phase 1: Entwicklung von Kriterien und Indikatoren für einen guten Fachvortrag - Die Schüler entwickeln im Deutschunterricht Kriterien und Indikatoren für einen guten Fachvortrag.
- Hierzu werden Brainstorming- und Strukturierungsmethoden eingesetzt, die Schüler arbeiten in kooperativen Unterrichtsformen
(kooperatives Lernen).
Z.B. schreiben sie zunächst in einer Einzelarbeitsphase auf große
Karten, was zu einem guten Vortrag gehört. Anschließend kategorisieren
sie die gefunden Kriterien und suchen entsprechende Oberbegriffe.
(Dieses Verfahren wird bei Bennett/Rolheiser „Concept Formation“
genannt; vgl. Literaturhinweise.
Dabei werden Daten klassifiziert: 1. Daten werden gesammelt (z.B.
Antworten auf die Frage: Was kennzeichnet einen guten Vortrag?, 2.
Daten werden gruppiert (Kennzeichen werden zusammengefasst), 3. den
zusammengefassten Daten wird ein Oberbegriff zugeordnet). - Es
ist wichtig, dass die Schüler bei der Erarbeitung zwischen „Kriterium“
und „Indikatoren“ unterscheiden (z.B. gehören zum Kriterium
„Körpersprache“ als Indikatoren neben einer offenen Körperhaltung auch
der angemessene Gebrauch von Gesten, der sichere Stand usw.).
- Ein
etwa 2 mal 2 Meter großes Plakat mit den Kriterien und Indikatoren, das
einige Schüler anfertigen, wird im Kurs- oder Klassenraum aufgehängt.
Weitere Aspekte, die sich im Verlauf der Unterrichtsreihe ergeben,
werden darauf ergänzt.
- Dieser Prozess der Bewusstwerdung, Systematisierung und
Visualisierung von Kennzeichen eines guten Vortrags wird von den
Unterrichtenden lediglich moderiert.
- Im Verlauf der Unterrichtsreihe werden die Kriterienraster der
Deutschkurse des gesamten Jahrgangs verglichen und in DIN A 4 Format
übertragen
(Bewertungsraster). - Das fertige Bewertungsraster eines Jahrgangs mit den Kriterien und
Indikatoren für einen gelungenen Fachvortrag wird für alle Schüler und
Lehrer des Jahrgangs vervielfältig. Es dient als Grundlage für die
Evaluation der weiteren Arbeit. Die Bewertungsskala für die einzelnen
Kriterien entspricht auf Wunsch der Schüler mittlerweile der Notenskala
.Phase 2: Vermittlung spezifischer Einzelkompetenzen - Die
Einzelkompetenzen, die sich in den Kriterien und Indikatoren
widerspiegeln, werden nun im Deutschunterricht „kontextarm“ vermittelt.
Die formalen Anforderungen an einen Vortrag (z.B. Spannungsbogen,
Gliederung, Medieneinsatz) sowie die notwendigen kommunikativen
Kompetenzen (z.B. verbales und nonverbales Verhalten) werden zunächst
in der didaktischen Reduktion jeweils einzeln und unabhängig
voneinander erarbeitet und geübt (z.B.
Gesten; Mind-map).
Phase 3: Üben der Einzelkompetenzen - Ebenfalls
im Deutschunterricht und „kontextarm“ üben die Schüler die
Einzelkompetenzen und deren Evaluation anhand ihrer Kriterien und
Indikatoren (
Handreichung; Lehrermaterial: Fachvorträge bewerten). Dabei werden die folgenden Unterrichtsprinzipien verfolgt:- Kompetenzerwerb: Die Übungen sind so aufgebaut, dass die Schüler Schritt für Schritt an die Einzelkompetenzen herangeführt werden.
- Schüleraktivität: Die einzelnen Unterrichtsphasen sind so
angelegt, dass Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit der Lernenden
gefördert und die klassische Belehrungssituation im Frontalunterricht
reduziert wird.
- Kooperatives Lernen: Die Fähigkeit vorzutragen verlangt viele Gelegenheiten zum Vortrag. Kooperative Lernformen (vgl. Green 2002 in den
Literaturhinweisen)
erlauben ein hohes Maß an Schülerkommunikation, fördern damit das
„Sich-Äußern-Können“ und minimieren die Redeangst. Arbeitsphasen, in
denen die Schüler in Kleingruppen vortragen, bilden daher den Kern des
Unterrichts.
- Zum Üben der Evaluation werden im
Anschluss an die Vermittlung von Einzelkompetenzen jeweils kurze
Evaluationen anhand der selbst erarbeiteten Kriterien und Indikatoren
durchgeführt. Je vier Schüler bilden eine Beratungsgruppe, die im
Verlauf des Unterrichtsvorhabens immer wieder die Kurzvorträge oder
Einzelübungen im Hinblick auf den Kompetenzerwerb evaluiert. Sie berät
den Vortragenden jeweils nur zu einem (!) Verbesserungsvorschlag, damit
dies für ihn annehmbar und konstruktiv bewältigbar bleibt (s.
Schülerarbeitsblatt:
Gegenseitig beraten).
Phase 4: Halten der Fachvorträge und Evaluation - In
ihren Fachkursen und somit in einem „kontextreichen“ Lernsetting halten
die Schüler den Fachvortrag in dem von ihnen ausgewählten Fach (z.B.
Physik, Sport, Deutsch oder Mathematik).
- In der voran gegangenen Zeit hatte der Fachlehrer die langfristige
inhaltliche Vorbereitung der Schüler, die in seinem Unterricht einen
Fachvortrag halten, begleitet. Eine
Checkliste
u.a. mit Teilaufgaben und zugeordneten Beratungsterminen, die jeder
Schüler vom Fachlehrer abzeichnen lässt, dient hier als Hilfe. - Darüber hinaus erhalten die Schüler vom Fachlehrer eine umfassende
Handreichung,
in der sowohl die mit der Unterrichtsreihe verbundenen Ziele als auch
die Verantwortlichkeiten und die Zuständigkeiten auf Lehrer- und
Schülerseite aufgezeigt werden. - Die Beurteilung des Fachvortrags findet direkt im Anschluss an den Vortrag statt. Entsprechend den Kriterien des
Bewertungsrasters
werden auch hier Beobachtergruppen gebildet, die nach dem Vortrag einen
Notenvorschlag für ihr Kriterium abgeben und ihn mit den von ihnen
beobachteten Indikatoren begründen müssen. - In einer Diskussion wird der Vortrag abschließend in der Lerngruppe
besprochen. Aus den Teilnoten wird eine Gesamtnote gebildet. Das
Kriterium „Sachliche Angemessenheit“ (Fachkompetenz) wird in der Regel
vom Fachlehrer beurteilt. Die Beurteilung der im Deutschunterricht
angeleiteten Fertigkeiten des Vortragens liegt dagegen in der Hand der
Schüler.
Phase 5: Abschlusswettbewerb - Nach Sichtung der
ausgefüllten Bewertungsraster aus jedem Deutschkurs des Jahrgangs
werden die zwei besten Fachvorträge ausgewählt. Die betroffenen Schüler
halten ihre Vorträge noch einmal vor allen Schülern der Jahrgangsstufe,
vor Eltern und Lehrern im Rahmen eines Abschlusswettbewerbs.
- Eine Jury aus Eltern, Lehrern und Schülern nimmt diesmal die
Bewertung vor. Auch hier werden wieder Beobachtergruppen gebildet, die
ein Kriterium in den Blick nehmen.
Projektsteuerung und Organisation - Das Projekt „Fachvortrag“ wird vom Beratungslehrer für den Jahrgang gesteuert.
- Eine Übersicht
(Projektplanung) informiert die beteiligten Lehrern über Zuständigkeiten, Maßnahmen und Zeitplanung im Deutsch- und Fachunterricht. - Die Schüler wählen das Fach aus, in dem sie einen Fachvortrag halten möchten.
- Die Themenwahl durch die Schüler gestalten die Fachlehrer
individuell unterschiedlich (auch mit Blick auf die Lerngruppe), z.B.
indem sie eine Themenliste anbieten, ggf. auch Material in einem
Handapparat zusammenstellen bzw. Fundstellen angeben.
- Die jeweils von den Schülern angesprochenen Fachlehrer betreuen in
der Sekundarstufe II zwei bis fünf Schüler inhaltlich bei ihrer
Vortragserarbeitung.
- Beratungstermine vereinbaren Lehrer und Schüler individuell
(Checkliste). Die Termine können bei geeigneten Unterrichtsformen auch während der Unterrichtszeit wahrgenommen werden.
Fortbildungen - In
einer Fortbildung vor Beginn des Projektes können alle Kollegen des
Jahrgangs selbst die wesentlichen Ziele und schüleraktivierenden
Methoden erleben: in Jahrgang 9 über eine eintägige Fortbildung, in
Jahrgang 11 über eine zweistündige Kurzfortbildung.
- Die zweistündige Kurzfortbildung findet jeweils drei bis vier
Wochen, bevor die Deutschlehrer mit dem Projekt beginnen, während der
Unterrichtszeit statt. In Randstunden fällt der Unterricht der
betroffenen Lehrer aus bzw. wird vertreten. Um Unterrichtsausfall zu
minimieren, soll ab Schuljahr 2004/05 ein Fortbildungsnachmittag
außerhalb der Unterrichtszeit dafür genutzt werden.
- In der Fortbildung werden die Prozesse der Aneignung und des
Einübens der Kompetenzen, der Erarbeitung der Beurteilungskriterien und
-indikatoren und dessen Ergebnis (das
Bewertungsraster)
sowie das Verfahren der Anwendung vorgestellt und mit den Kollegen
diskutiert. Sie erfahren z.B., dass die Erarbeitung von Kriterien und
Indikatoren sowie deren Anwendung ein ebenso gewichtiges Lernziel ist
wie das Halten des Fachvortrags. - Die Kurzfortbildung wird durchgeführt von Deutschkollegen, die sich
des Projektes angenommen haben und Erfahrungen in der Lehrerfortbildung
besitzen.
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