Kooperatives Lernen ("Cooperative Learning") - Einführung und Implementierung mit Hilfe eines schulinternen Unterstützungssystems an der IGS Schaumburg
Inhaltsverzeichnis
Entwicklungsphasen des Cooperative Learning an der IGS
Die Initiierungsphase zur Arbeit mit Kooperativen Lernformen erstreckte sich vom Herbst 2002 bis zum Sommer 2003. Sie war gekennzeichnet durch Begeisterung und Visionen bei den Initiatoren sowie durch erste Fortbildungsangebote für Kollegen.
Die Einführungsphase sehen wir mit der erstmaligen systematischen Einführung eines gesamten Jg. in CL-Methoden als abgeschlossen an (Ende des Schuljahres 2004/05). Die beteiligten Jahrgangskollegen waren zuvor systematisch geschult worden.
Die Implementierungsphase setzte ein mit dem zweiten Zyklus im (neuen) Jg. 5 und der Fortführung im ehemaligen 5., nunmehr 6. Jg. ab Schuljahr 2005/06. In dieser Zeit haben wir parallel versucht Verbindlichkeit herzustellen, CL-Methoden zu optimieren, Kontinuität bei Schulungen und Unterstützungsangeboten zu gewährleisten.
Im Nachhinein betrachtet sehen Einführung und Implementierung recht stringent aus. Tatsächlich ist das Vorhaben "gewachsen". Von interner und externer Seite gab es in rascher Abfolge und zuweilen auch gleichzeitig eine ganze Reihe von Impulsen, die den Prozess der Einführung des CL beflügelten. Vieles hat ineinandergegriffen, vorhandene Schulentwicklungserfahrungen ließen uns oft die richtigen "Ermöglichungssituationen" schaffen und Vieles hat einfach "geklappt". Man könnte von "implizitem systemischen Vorgehen" sprechen: Zunächst war die Einführung des CL ein "Steckenpferd" der Verfasserin, erfuhr dann aber immer mehr Zustimmung und wurde nach und nach in die Schulentwicklung einbezogen. Wir hätten die Entwicklung sicher beschleunigen können, wenn wir gleich zu Beginn einen stringenteren Einführungsplan gehabt hätten. Allerdings hätte es in diesem Fall voraussichtlich massive Widerstände von Kollegen gegeben. Denn sie hätten in kurzer Zeit noch mehr verordnete Arbeit leisten müssen. Auf die von uns praktizierte "sanfte" Einführung haben viele Kollegen teils mit Begeisterung, zumindest mit Interesse reagiert.
Ergebnisse
Daten sprechen eine nachvollziehbarere Sprache: 2002 meinten in der INIS-Befragung nur 67% der Schüler, dass die Lehr- und Lernmethoden an ihre Bedürfnisse angepasst seien. Dies war unsere Ausgangslage für Veränderungen. Bei der Umfrage 2004 hat sich diese Angabe auf 83% gesteigert. Diese Ergebnisse haben wir noch vor der systematischen Einführung von CL-Methoden - also auf dem Weg der individuell von den Kollegen durchgeführten Einführung - erreicht. Auch die Ergebnisse aus der SEIS-Befragung 2005 zeigen im Vergleich mit der INIS-Umfrage von 2002 eine positive Tendenz:
- Im Indikator Lern- und Unterrichtsmethoden des Kriteriums Lern- und Lehrstrategien stieg die Zustimmung aus Schülersicht von 70% (2002) auf 78% (2005).
- Im Indikator Zufriedenheit des Kriteriums Lern- und Lehrstrategien stieg die Zustimmung aus Schülersicht von 62 % (2002) auf 79% (2005).
- Im Kriterium Lern- und Methodenkompetenz der (Ergebnis-)Dimension Bildungs- und Erziehungsauftrag blieb die Zustimmung der Schüler auf hohem Niveau bei 85%.
- Im Indikator Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die in der Schule Tätigen des Kriteriums Personalentwicklung hat sich folgende Entwicklung gezeigt: Von 2002 bis 2004 stieg die Zustimmung bei den Lehrern von 34% auf 57%.
Umsetzungserfolge und wie die Unterstützungsangebote angenommen worden sind
Die Haltung von Kollegen hat sich von anfänglicher Zurückhaltung gewandelt hin zu bereitwilligem Einsatz von CL. Sie haben erkannt, dass das Unterrichten mit CL zwar zunächst anstrengend ist, da sie die verschiedenen Methoden in den Klassen vermitteln und verankern müssen, es langfristig aber auch eine Arbeitserleichterung für sie bedeutet sowie ein Spaß- und Effektivitätsgewinn für Schüler ist.
Die drei Fortbildungen für die Kollegen des 5. Jg. waren erfolgreich. Offenbar ist es gelungen, eine positive und lustige Atmosphäre zu schaffen, und zugleich äußerst effektiv zu arbeiten. Im Ergebnis haben in den letzten drei Jahren alle 5. Jg. der drei Schulen mit dem CL begonnen und es auch im 6. und an der IGS im 7. Jg. weiter geführt. Nach Norm Greens Auskunft wäre es schon ein gutes Ergebnis zu nennen, wenn 25 % des Kollegiums das CL regelmäßig anwenden würden. Dieses Ziel konnten wir leicht erreichen: An der IGS wird das CL von zahlreichen Lehrkräften eingesetzt. Dies haben die mündlichen und schriftlichen Rückmeldungen ergeben. Dennoch arbeiten wir daran, dass die Zahl der "aktiven CL-Anwender" stetig steigt. Auch der Verbreitungsgrad an Schulen in Niedersachsen hat zugenommen. Bisher haben 13 Schulen ein Fortbildungsangebot bei der Verfasserin ein- oder mehrmals wahrgenommen. Und die Nachfrage steigt stetig.
Besonders hilfreich für Konsensentwicklung sowie für Einführung und Implementierung war, dass Norm Green als externer Experte für Fortbildung und Unterstützung zur Verfügung stand. Durch die authentischen Einblicke, die seine Veranstaltungen gewährten, durch den engen Praxisbezug mit der Möglichkeit der direkten Übertragbarkeit auf Unterricht waren einige Kollegen recht positiv eingestimmt. Viele fühlten sich danach animiert einzelne CL-Methoden sofort zu übernehmen und in ihrem Unterricht zu erproben.
Dadurch, dass einige Unterstützungsangebote nicht verpflichtend waren (z. B. die monatlichen Treffen), hat sich die Schere in der CL-Kompetenzentwicklung der Kollegen zwischen mehr und eher weniger Interessierten vergrößert. Ein positiver Nebeneffekt der Einladungen zum Erfahrungsaustausch war hingegen, dass allein die Einladung bewirkte, dass das Thema "in den Köpfen warm gehalten wurde". Der Gesprächskreis wird nun seit Schuljahr 2006/07 nach allmählich gesunkener Teilnehmerquote nicht mehr angeboten. Das CL hat mittlerweile einen Verbreitungsstatus gefunden und die meisten Kollegen haben ihre Kompetenz soweit entwickelt, dass sie ohne dieses Unterstützungsangebot auskommen.
Von der Landesschulbehörde ist ein Programm "Systematische Unterrichtsentwicklung in Niedersachsen" aufgelegt worden. Dies lässt sich mit unseren Aktivitäten zur Unterrichtsentwicklung gut verbinden (s.
systematische Unterrichtsentwicklung und CL). Die Lehrer des 7. Jg., in dem aktuell auch die Verfasserin arbeitet, sind dazu ausersehen worden, an einer zweijährigen Schulung teilzunehmen. Sie wollen Bausteine zur Qualitätsverbesserung des Unterrichts in Bezug auf Methodenvielfalt in unseren
Arbeitplan CL Jg. 5 einbeziehen. Wir haben vor dies für die folgenden Jg. weiterzuentwickeln und so ein schulinternes CL-Curriculum zu erarbeiten.