Zur Startseite der Toolbox Bildung Zur Website der Bertelsmann Stiftung

Die Sprache der Demokratie lernen. Betzavta-Miteinander: ein Bildungskonzept zur Demokratie-, Toleranz- und Menschenrechtserziehung

Inhaltsverzeichnis

Inhalte

Das für die deutsche Bildungsarbeit entwickelte Trainingshandbuch enthält insgesamt zwölf Übungen, die sich verschiedenen Aspekten dieses Demokratieansatzes zuordnen lassen. Es geht dabei um folgende Themen:

  • Demokratische Prinzipien
  • Minderheit und Mehrheit
  • Grundrechte
  • Gleichheit vor dem Gesetz
  • Demokratische Entscheidungsfindung

Alle Übungen bestehen aus zwei Phasen – im ersten Teil eine Aktivität, die immer gedacht ist als Ermöglichung von Teil zwei – der Reflexion. Diese Reflexion erfolgt auf drei Ebenen:

  • 1. Ebene         der Gruppenprozess
  • 2. Ebene         der Erziehungsprozess von „Betzavta“
  • 3. Ebene         der Inhalt

Das Besondere am „Betzavta-Prozess“ wird beschrieben als Weg vom Konflikt zum Dilemma und zurück zum Konflikt. Bei einem Dilemma handelt es um eine Art „Zwiespalt“, der eine Entscheidung scheinbar nur zwischen zwei unangenehmen Möglichkeiten (entweder-oder) zulässt. „Betzavta“ bietet einen Weg an, aus dem Entweder-Oder herauszufinden. Dabei wird in vier Schritten vorgegangen:

  • Es erfolgen eine Gegenüberstellung und ein Vergleich von Inhalten und dem Prozess.
  • Es werden Prinzipien gegen Interessen abgewogen.
  • Die verschiedenen Standpunkte zu einem Thema werden miteinander verglichen und gegenübergestellt.
  • Spezifische Prinzipien, Interessen und allgemeine Standpunkte, Einstellungen und Themen werden gegenübergestellt und miteinander verglichen.

Angesichts vieler stagnativer Situationen (politische Bildung; Parteiensystem; Politik- und Parteienverdrossenheit; Ausländerfeindlichkeit) und dem unübersehbaren Mangel an Konflikt-, Toleranz-, Konsens- und Demokratiefähigkeit sowie der zunehmenden Individualisierung und Pluralisierung der Lebenslagen bietet das Konzept durchaus hilfreiche Ansätze. Es fragt nach den Grundsätzen und Werten für ein demokratisches Miteinander. Dabei steht die gemeinsame Suche nach Lösungen jenseits vorschneller Entscheidungen (wie übereilte Abstimmungen oder faule Kompromisse) im Mittelpunkt. Beim Entdecken dieser Möglichkeiten, kann vor allem Jugendlichen wieder mehr „Lust auf Demokratie“ gemacht werden. Es wird dem Bedürfnis nach Individualität und Freiheit ebenso Rechnung getragen wie dem Wunsch nach Dazugehörigkeit und Gleichheit.

„Betzavta“ bietet für das Erlernen einer „Sprache der Demokratie“ vier Schritte an:

  • Gibt es überhaupt einen echten Konflikt oder nur einen scheinbaren? Wenn ja, kann ich nicht nur mich in die Lage des anderen versetzen, sondern auch „die Lage des anderen“ in mich versetzen? (Konflikt-Dilemma-Methode)
  • Und dann: wie kann die Situation verändert werden, um allen gerecht zu werden?
  • Wie kann das Recht auf Freiheit für alle gleichmäßig eingeschränkt werden? (fairer Kompromiss)
  • Wie kann dennoch eine demokratische Entscheidung herbeigeführt werden, wenn keine allgemein befriedigende Lösung möglich ist? (Mehrheitsbeschluss)

Abstimmungen sind legitime Mittel der demokratischen Entscheidungsfindung. Das Besondere bei „Betzavta“ ist, dass der oft vorschnell gewählte Weg einer Entscheidung per Mehrheitsentscheid in Frage gestellt wird und vorher andere Weg versucht werden sollen. Der Weg über das Dilemma ist der radikaldemokratische Ansatz des Konzeptes, weil er den Blick auf die Minderheiten, die im Zusammenhang mit Abstimmungen entstehen, öffnet. Mit der Schrittfolge der „Sprache der Demokratie“ werden die üblichen Wege zur Entscheidungsfindung grundsätzlich in Frage gestellt. Der Mehrheitsbeschluss ist erst dann zur Herbeiführung von Entscheidungen zulässig, wenn die anderen Wege keine Lösung gebracht haben. Die Erkenntnis darüber ist gerade für Jugendliche (aber auch für Erwachsene) oftmals sehr verblüffend. Auf diese Weise zu einer Entscheidung zu kommen, kann zunächst mühsam und anstrengend sein. „Betzavta“ bietet die Möglichkeit, in einer Gruppe diesen Prozess gemeinsam zu gehen und sich auf den Dialog einzulassen. Am Ende steht die Erfahrung, dass es möglich ist, eine Entscheidung gemeinsam zu finden. Somit sensibilisiert „Betzavta“ für eine grundsätzliche Neuorientierung der eigenen Haltung gegenüber Widersprüchen und Konflikten.

SUCHE

Kontakt

Susanne Ulrich
Akademie Führung und Kompetenz
Centrum für angewandte Politikforschung
Ludwig-Maximilians-Universität München
Maria-Theresia-Straße 21
81675 München
Tel: 0 89 / 21 80 – 13 35
Fax: 0 89 / 21 80 – 58 50
E-Mail: › susanne.ulrich@cap-akademie.de
Internet: » http://www.cap-akademie.de
» http://www.betzavta.de


In der Bertelsmann Stiftung:

Stephan Schack
Tel.: 0 52 41 / 81 81 379
E-Mail: » stephan.schack@bertelsmann.de

Ulrich Kober
Tel.: 0 52 41 / 81 81 598
E-Mail: › ulrich.kober@bertelsmann.de

© 2005 Bertelsmann Stiftung